Shiva

Wer dir passt in das Licht zweier Augen
und schon auf Erden angekommen immer
an Bahnhöfen, Tresen, in überfüllten Stadien
den staubigen, heißgefluteten Gassen
auf Ämtern, den Malls und Märkten
im eigenen Hause schlafend und wachend
anwesend so deutlich schon immer
auf Autobahnen, in Cafés, Casinos und Parks
während die Ferngeblickten noch suchen
in Tempeln, Kirchen, Moscheen
in Palästen trotz allem –

O der Gott, den sie sehen können, ist ihnen nichts wert
und der Himmel, der ihre Ernte reift
zu sehr Erdreich geworden
für die blinde Lust ihrer Gebete.

Doch wer dir ins Licht passt, im Auge kommend und gehend
und schon auf Erden angekommen immer
als Bettler-Hannes mit aufgeplatzten Händen
schwarzer Priester der ersten Silbe Om und Ohm
Mütterchen, das Korn mahlend in Tellern und Tassen
der Mörder und Schläger erhobenen Schwertes
der Chai-Wallah süßgesungener Zungen
der Zamindar besetzt mit Diamanten und Runen
der Asket aus dem letzten Knochen biegsamer Weisheit
die Händlerin von Myrrhe, Ingwerzweigen und Zimt
die Schwester mit der Hingabe unbegreiflicher Sonnen
der Mönchsbruder auf gierig zerschlissenen Knien
die Bauern und Wirte in gestärkten Hemden
die Polizistin mit Schlagstock und Kartei
das leuchtende Auge der Sklaven und Schuldner
der Großvater auf dem warmen Stein letztgesungener Tage
die Nachbarin aus Rose und Dorn und Gespinst
der Politiker mit dem Biss schwarzgetränkter Zähne
der Bruder, gewachsen aus der Stirn ewiger Stille
das Kind balancierend auf Stunden und Tagen
das Kind lachend in deinen Augen kommend und gehend
Menschenkind auf Erden
auf Parkplätzen, in den Hallen, Höfen und Gärten
in Palästen trotz allem –

O der Gott, den du sehen kannst
als Taumel, Tiefe, Höhe und Rausch, als Ruf
zweier wartender Augen.