Tempel

Mögen Kirchen oder Moscheen auf die Erde gezimmert worden sein, um sich in ihrer mal pompösen oder kitschigen Ausgeschmücktheit einer vielversprechenden, weil stets alternativen Wirklichkeit zu versichern und, dem dualistischen Gesetz der monotheistischen Kulte entsprechend, dem sich Gegenübergedachten bittstellend zuzuwenden, so sind gerade die Tempel des drawidischen Südens immer nur als Spiegelfläche des eigenen Daseins konzipiert. Das gesamte Vielgötterhaus repräsentiert die elementaren Wirklichkeiten des menschlichen und kosmischen Körpers und eines aller Dingfestbarkeit inhärenten Geistes, dessen diesseitigen Eigenschaften sich über alles erstrecken, was überhaupt existieren kann. Um das garbhagrha, den Mutterleib im singenden Zentrum, wachsen und zerfallen die Arme, steinernde Knochen und Schläfen. Alles ist du. Liebe und Hass, Licht und Schatten, tierischer Instinkt und göttliche Intuition. Nirgendwo lässt sich in ein Außerhalb beten. Ein Tempel ist gebaut worden, um sich selbst zu begegnen.

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