Corona Chronicles 3 (Teil 2/2)

Mohammed hatte nicht gelogen. Die kleine Straßensperre, welche die Schwererziehbaren davon abhalten soll, die größere Polizeikontrolle auf dem Highway zu umgehen, ist direkt vor seinem Haus über die Straße gespannt worden. In das mehrfach um zwei Palmen gewickelte Seil, die freie Passage verhindernd, haben die Verantwortlichen dann noch ein paar Äste und anderweitig Vertrocknetes geworfen, Zeugs, was man eben so am Straßenrand findet. Ein passendes Symbol für die Organisation, mit der man den Lockdown von 1,3 Milliarden Menschen offenkundig nicht organisiert. „Corona Welcome“ steht auf einem Tor nebenan. Wenn es einen Chronisten der Absurdität gäbe, Material fände er reichlich im großen Mudaliyarchavadi.

Ich lebe bereits zu lange in Indien: Mein erster Reflex ist, den Wegversperrer einfach runter zu reißen, so, wie in Indien jegliche unbewachte Absperrung sofort aus dem Weg geräumt wird, wenn und weil sie im Weg steht. Doch Corona-Zeiten sensibilisieren. Ich parke Lotta und klettere über das Seil. Mohammed und die Kinder sitzen im Garten, neben ihnen ein riesiger Haufen Kokosnüsse: Die Ernte, die jetzt niemand mehr abholen kommt.

Mohammed sagt: „Kinder schaut, der Corona-Teufel höchstpersönlich“. Zu einem großen Haufen zusammenumarmt stehen wir da und kichern wortlos über all das, was uns so bewegt, über das Vorhandensein von Viren, die wir nicht sehen, Verordnungen, an die wir nicht glauben, über Sonne Mond und Sterne, die nicht wissen, dass es uns gibt. Ich merke, wie lange ich niemanden mehr umarmt habe. Die Kinder sind fett geworden. Ich sage: Wie kann es sein, dass ihr immer fetter werdet, und sie schlagen sich fröhlich auf die dicken Bäuche und holen mir Kekse und rasgulla. Ihr Vater verschwindet, um Chai zu kochen. Die süß-milchige Pampe lässt vergessen, dass ich nicht weiß, ob vielleicht nicht doch der Mond über uns nachdenkt.
„Its a real shitshow“, sagt Mohammed und zückt sein Handy. Zum Vorschein kommt Pondicherrys Chief Minister Narayanasamy, der in einer Videobotschaft verkündet, alle Wege der Ausländer raus aus Auroville seien gesperrt, und er habe Teams hineingeschickt, um jeden vellakara, jeden Weißling testen zu lassen. Dann verkündet er noch, der Patient, der in Pondy angeblich an Corona gestorben ist, sei gar nicht an Corona gestorben, sondern genesen und aus schierem Unglück zwei Tage darauf an einem Herzinfarkt gestorben.
Mohammed drückt das Video weg.
„It is such a beautiful day. Lets go to the beach!“

Der zugemüllte Pfad zum Strand: Unten liegen das Plastik und die Bierflaschen, auf Augenhöhe hängen die rosa Blüten der Bougainvilleas, oben eine weite Kuppel schweigenden Blaus. Drei Tage ohne das Meer reichen aus, um bei seinem Anblick wieder in unermessliches Staunen zu verfallen. Nur eine infinitesimale Linie trennt das Wasser von Himmel. Wenn man sie lange genug im Auge behält, geht sie verloren. Ich erinnere mich, dass Horizont vom griechischen hóroz abstammt. Die Grenze. Dabei ist er genau dieser nie zu fassende Ort, in dem sich alles auflöst.
Trotz Ausgangssperre ist der Strand voller Menschengruppen. Ferienstimmung, verkündet Mohammed. Von Lockdown oder social distancing nicht die geringste Spur, die jungen Männer werfen sich durchs Wasser, als gelte es jetzt mehr denn je, das Leben zu feiern. Zwei Stunden verbringen wir im Wasser. Das Meer ist unser Spielzeug, unsere Mutter, unser Gebet: Meine Sorgen, mit Lotta nicht wieder nach Hause gelangen zu können, erreichen mich hier nicht. Erschöpft und glückselig torkeln wir schließlich zurück, diesmal jedoch durch eine gänzlich veränderte Stimmung. Der späte Nachmittag hat die Menschen aus ihren Häusern und Hütten hervorgeholt, das halbe Dorf ist auf der Straße, die Bewohner sitzen zusammen und blicken uns wortlos hinterher. Und doch ist etwas anders. Kurz bevor wir Mohammeds schützenden Garten erreichen, fällt es mir auf. Keine Musik. Kein Lachen. Kein Hundegebell und keine herumtobenden Kinder. Stille inmitten eines unablässigen Dorfes, Stille in den Augen all dieser Gesichter.
Sollten wir denn eigentlich nur für das Nötigste das Haus verlassen, nur für Lebensmittel und den Apothekengang? Es sind Worte, die aus meinem Mund kommen, und Mohammed schmunzelt sein allerbestes Schmunzelgrinsen. Er weiß, dass es eine rein rhetorische Frage ist und nichts und niemand auf dieser Welt eine Antwort geben muss. Trotzdem legt er mir lachend die Hand auf die Schulter und sagt: My brother. We are not Germany or France. We simply do it the Indian way.

Bevor wir durch sein Tor treten, ruft uns seine Nachbarin, eine alte, in sich verschrumpelte Frau, zurück. Woher kommt der? Die Frage gilt mir. Ihr Schrumpelzeigefinger versucht, aus sicherer Entfernung meinen Kopf zu finden. Er ist schon seit vier Monaten im Land, antwortet Mohammed auf tamilisch: noch vor Corona. Wir warten, ob noch was kommt. Die Alte aber ist verstummt. Schweigend schluckt sie seine Antwort herunter und starrt uns an, bis wir im Garten verschwunden sind.
Nach einer erneuten Runde Chai und der obligatorischen Videospielstunde mit den Kindern, die von dem ganzen Corona-Gequatsche zumindest äußerlich unberührt bleiben, mache ich mich auf den Rückweg. Zu meinem Entsetzen stelle ich fest, dass man die Seil-und-Müll-Straßensperre ans andere Ende der Straße versetzt hat, hinter Lotta. Den Weg, den ich gekommen bin, hat man mir somit abgeschnitten. Als ich alleine durch die schmalen Gassen des Dorfes fahre, fällt mir der Schutz auf, den ich in Begleitung von Mohammed noch hatte. In meiner persönlichen Geschichte mit Indien muss ich lange zurückgraben, um mich an solch feindselige Blicke zu erinnern. Und dass nun ausgerechnet hier, in meinem Zuhause, in meinem Indien, meinem Tamil Nadu, in meinem Periyarmudaliyarchavadi, wo ich so viele Freunde und Bekannte habe, wo mir sonst nur lachende Gesichter entgegenfliegen! Kaum kann ich es begreifen. Die Menschen halten sich Mund und Nase zu, wenn sie mich sehen, ziehen sich das Shirt vors Gesicht und schreien mich an, ich solle verschwinden. Die erste Kreuzung, von der aus ich den Highway erreichen könnte, ist gesperrt, ebenso die Parallelstraße, wo man bei meinem Anblick in die Häuser flüchtet. Erst die letzte Straße, die aus dem Dorf führt, ist frei. Ich stehe auf dem erst kürzlich frisch geteertem Highway und niemand ist da. Was für ein bizarres Nichts und was für eine gewaltige Entfernung zur bekannten Welt, von der ich nicht weiß, ob sie auf einer dieser neuen Bühnen, die sich die Welt gerade zimmert, jemals wieder erscheinen wird.
Da mich im Norden eine Polizeiblockade erwarten wird, klappere ich die mir bekannten Schleichwege ab, die hinauf nach Kuilapalayam und Auroville führen. Nach den ersten Kurven ist überall Schluss. Die Dorfbewohner oder die Behörden haben mit Baumstämmen oder Betonklötzen die Straßen verbarrikadiert. Ich könnte es über Pondicherry versuchen, ahne aber, dass mich dort ebenfalls die Polizei erwartet. Also biege ich erneut auf den gespenstisch leeren Highway. Richtung Norden also! Mir bleibt keine Wahl. Um die Mango-Hill-Road zu erreichen, muss ich an der Straßensperre vorbeikommen.

Vor drei Jahren bin ich mit einem befreundeten Italiener die Küste runter nach Rameshwaram gefahren. Kurz vor der heiligen kleinen Stadt ignorierte ich, der ich in dem Augenblick gerade vorausfuhr, eine mich heran winkende, jedoch harmlose Polizeisperre – und ging davon aus, dass mein Kumpel es mir gleich tat. Mit Entsetzen sah ich im Rückspiegel, wie er tatsächlich anhielt. Ich wartete in sicherer Entfernung. Als er schließlich frei gelassen wurde und neben mir stand, keifte ich ihn an, was ihm denn einfiele, an einem Polizeicheck stehen zu bleiben! Vielleicht bin ich bereits zu lange in Indien. Aber wie jeder normale Bürger dieses Landes habe ich gelernt, den Kontakt zu der Polizei auf das unumgänglichste Minimum zu beschränken. Was sonstwo als Gesetzesbruch interpretiert werden könnte, ist in Indien, wo man sich vor der Polizei mehr fürchten muss als vor Verbrechern, reiner Überlebensinstinkt. Niemals würden jene „Gesetzeshüter“, die an die Straßenposten kommandiert werden, auch nur den kleinen Finger rühren, wenn man freundlich grüßend an ihnen vorbei  rauscht. Es ist ihnen vollkommen egal. Und jene, denen es nicht egal ist, fallen gewiss nicht unter die Philanthropen, was nur ein Grund mehr ist, sich erst recht aus dem Staub zu machen. Unter dem Ausnahmezustand und den beispiellosen Umständen, die wir gerade erleben, bin ich mir jedoch sicher, dass auch diese eingefleischte Ordnung gerade ihr Ende erlebt. Ich spüre eine große Welle Angst in mir aufsteigen und weiß nicht wohin damit.
Ich hätte mir irgendetwas Sinnvolles zurechtlegen sollen. Aber als ich an acht empörten und lathischwingenden Beamten vorbei rase, schreie ich nur: „I am going!“. Dazu lächele ich und werfe den linken Arm kreisend zum Himmel, um mit dieser dämlichen Geste anzudeuten, dass ich nicht lüge und in der Tat irgendwo hinfahre. Mein Herz rast. Ich schalte in den vierten Gang und treibe Lotta an ihr Maximum. Als mich am Fuße der Mango-Hill-Road kein Roadblock erwartet, weiß ich, das Schlimmste geschafft zu haben. Bei der ersten Gelegenheit biege ich von der Straße in einen der unzähligen Waldwege, um auf einer umständlichen aber sicheren Route nach Hause zu gelangen. Trost gibt es hier keinen. Trotz Covida, die ihre Abendportion Hundefutter erwartet, trotz des vermeintlichen Friedens und der Stille oben auf meinem Dach, auf dem ich warte, bis sich die Sonne in den zartesten aller Farben von ihrem Planeten verabschiedet. Fort und verschwunden hinter dem Horizont, dieser harten und unverrückbaren Grenze.

Ich schlafe beschissen. Meine Rituale, mit denen ich stets den Tag beginne, helfen kaum, mich wieder in gewohnte Bahnen zu lenken. Ich setze mich in den Garten. Was für ein prächtiger Morgen, zöge man den Spuk hinter meiner Stirn von der leichtfüßigen Sonne und dem frischen Grün ab, das mein winziger Neembaum sorglos aus seinen Ästen treibt! Covida schnurrt mir um die Füße, Covida bekommt ihre Milch, Covida legt sich hin, um den Tag zu verdösen. Vielleicht sollte ich von ihr lernen, mich ausstrecken, hinlegen, dahinschnurren, den Kopf auf die Hände betten und warten, immer, immer nur warten, bis sich die Dinge verändert haben oder alles so bleibt. Ob ich mir ein anderes Motorrad besorgen sollte, damit man nicht erkennt? Haben sie sich mein Gesicht gemerkt? Mein Nummernschild? Sollte ich nur noch mit Turban auf Lotta unterwegs sein und mit Maske? Ich sollte das alles vergessen, Katze werden und liegen. Vielleicht würde man öfter vor sich hin dösen, wenn es dafür ein besseres Wort als dösen gäbe. Dösen hört sich ein wie das Öffnen von Dosen. Covida reckt sich, rollt sich auf den Rücken und streckt die Beine von sich. Ich aber sehe mich nach Lottas Schlüssel greifen …
Auch wenn ich mir gestern Abend noch geschworen hatte, die nächsten Tage Haus und Garten nicht zu verlassen, fahre ich zu Ramalingam, um in meinem Stammlokal zu frühstücken. Trost. Alles, was ich will, ist Trost. Sein Farm-Restaurant, nur eine Minute entfernt, ist einer der wenigen Speisestuben, die noch für ihre Gäste kochen. Die Verordnungen sagen, dass man sich das Essen nur in Behältern abholen darf, aber wir wären nicht in Indien, wenn Ramalingam nicht auch die weitaus bessere Möglichkeit anböte, als ehrenwerter Stammkunde bei ihm sitzen zu bleiben – mit dem nötigen social distancing versteht sich!
Wir trinken unseren Chai und quatschen. Ich erzähle ihm von meiner gestrigen Tour. Er winkt ab. Alles halb so wild, das Entscheidende sei, pranayama zu üben. Es ist seine Antwort auf alles schon immer. Er lehnt sich in seinem Boss-Stuhl zurecht, räuspert sich und fährt fort. „Wir müssen unseren Atem kontrollieren. All diese dumme Panik wegen diesem Virus, der keine Chance hätte, wenn wir auf unsere Gesundheit achten würden. Und unseren Atem. Ein halbe Stunde am Tag reicht. Es ist ein Lungenkrankheit, oder? pranayama gibt es schon so lange, aber selbst wir Inder praktizieren es nicht, lieber sind sie jetzt alle in Panik. Dummköpfe! Reinigung des Rachens, der Atemwege, dann atmen, atmen, und Bewusstsein, gut essen, kein Gift. Mehr braucht man nicht tun.“
Mittlerweile ist auch Ashok eingetroffen und bekommt seine Idlis.
Gerne würde ich ihnen das mit dem Dösen erzählen.
„Übst du pranayama“, wendet sich Ramalingam an Ashok, „praktizierst du als Inder indisches Wissen?“
Ashok schüttelt lachend den Kopf.
„Ich atme so oder so“, sagt er, „what more shall I do!“
„Dummkopf“, sagt Ramalingam und lehnt sich nach vorne, um auf den Tisch zu pochen. „Aber meine Idlis sind die besten, sie werden dir schon das Leben retten.“
Er bestellt noch eine Runde Chai für uns alle. Was folgt, sind die üblichen Konversationen über die Corona-Maßnahmen. Nationenübergreifend sind wir uns selbstverständlich einig, dass die Politiker korrupte Idioten sind. Seit zwei Tagen gibt es eine neue Verordnung, die besagt, dass alle essentiellen Geschäfte, die noch öffnen dürfen – Supermärkte, Tankstellen, Apotheken – nur noch drei Mal am Tag für jeweils eine Stunde öffnen dürfen. Ich konnte es nicht glauben, als ich gestern davon las. Nur in Indien wird es passieren, dass man Menschenansammlungen verhindern will, indem man alle gleichzeitig an einen Ort schickt!

Ramalingam verabschiedet sich aus unserer Unterhaltung, indem er an seinen Chef-Tisch zurückwackelt, die Augen schließt und zu summen beginnt. Mantras purzeln von seinen Lippen. Er atmet. Er stockt die Lungen auf und merkt nicht, wie ein hochgewachsener Polizist das Restaurant betritt.
Ich erkenne ihn sofort. Vor ein paar Tagen war er schon einmal hier. Als er den durch die Nasenflügel pumpenden Ramalingam sieht, verzichtet er darauf, ihn zu begrüßen, und setzt sich an unseren Tisch. Ein hochgewachsener, schöner Mann mit wachen Augen, keiner von diesen wampigen Pöbelpolizisten, die sich den ganzen Tag nur mit Chicken vollstopfen. Ashok tunkt seinen letzten Idli ins Chutney und tut, als sei er nicht da. Instinkte. Der Polizist bestellt. Ich bewundere seine Haare, die leicht wie Wolken auf seinem Kopf herumfedern, sobald er sich bewegt. Langsam klopft er den Staub aus seiner Uniform, die nicht dreckig zu sein scheint, und schiebt seine Mütze auf dem Tisch hin und her.
Wo ich herkomme, fragt er.
Nur einmal schnell schaut er mir direkt in die Augen, dann entweicht sein Blick.
Deutschland. Aber die meiste Zeit lebe ich hier.
In Auroville?
Sozusagen.
Kickboxer?
Er zeigt auf mein T-Shirt. Das rote Leibchen, dass ich von der tamilischen Kickboxing Association bekommen habe und deren Logo trägt, hat also seinen Zweck bereits erfüllt. Ich habe mir vorgenommen, alles auf den tamilischen Volksstolz setzend, nur noch dieses Oberteil zu tragen, immerhin steht auf dem Rücken in leuchtenden Buchstaben TAMIL NADU, INDIA. Wenn das keinen Polizisten, der mir eventuell an den Kragen will, weich und brüderlich stimmt, dann weiß ich auch nicht.
Ich bejahe. Eine glatte Lüge, aber es gilt, die Deckung oben zu halten.
Warum bist du hier, fragt er.
Hier in Auroville?
Hier in Indien. Warum nicht in Deutschland, jetzt, wo es überall Corona gibt?
Das hier ist mein zweites Zuhause. Es fällt mir schwer, in solchen Zeiten einfach zu gehen.
Wärst du in Deutschland nicht besser aufgehoben?
Wer weiß …
Jetzt, bei dieser Hitze?
Stimmt, es ist heiß geworden, aber zumindest scheint die Sonne, in Deutschland hat es gestern geschneit. Haben Sie schon mal Schnee gesehen?
Noch nie. Wie ist das?
Nicht so warm wie Sonnenschein.
Er lacht. Er bekommt seine beiden Dosas, isst wortlos, wäscht sich die Hände und setzt sich wieder hin. Ramalingam ist noch immer versunken und brabbelt und atmet. Ashok bewegt sich so wenig wie möglich, als könne er sich durch dieses Manöver tatsächlich unsichtbar machen. Womöglich hat er sogar das Atmen eingestellt. Wenn ich das Ramalingam erzähle …
Der Polizist sagt: Die meisten Menschen wären beruhigt, wenn sie sicher und bei ihrer Familie wären.
Dann steht er auf und reicht mir die Hand. Sein sanftes Gesicht. Und in den Augen eine Anteilnahme und Herzlichkeit, dass ich aus Verlegenheit beinahe laut losgelacht hätte: Schlagartig wird mir klar, dass seine Fragen nicht dazu dienten, mir den Aufenthalt in seinem Land zum Vorwurf zu machen. Er ist lediglich auf seine Art neugierig und weiß nicht, wie genau er die äußerliche Distanz zwischen den Hautfarben, Sprachen und Kulturen überbrücken soll. Das ist alles. Du bist mein Bruder! Das ist alles, was er hat sagen wollen.
Als ich seine Hand greifen will, zieht er sie weg.
Sorry, grinst er, not allowed to touch hand, keep distance to fight Corona-Virus.
Auf Ramalingam zeigend sagt er: Meditation. He is a good man, a wise man.
Als er, ohne zu bezahlen, verschwunden ist, erinnere ich mich an eine ewige und unkaputtbare indische Wahrheit, die ich kurzzeitig vergessen hatte. Alles gerät stets vom Dunklen ins Licht und vom Licht in die Dunkelheit. Und wir sind ausschließlich da, um dies zu bemerken oder nicht. Sonnen-Buddha, Mond-Buddha. The Indian way.

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